Flucht aus der Zwangsehe

Die Zeitzeugin

Die Zeitzeugin wurde in der Türkei geboren, lebte die ersten Jahre mit ihrer älteren Schwester dort bei Verwandten. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist sie in Deutschland, heute spricht sie nur Deutsch und kein Türkisch mehr. Früh verließ sie das Elternhaus, bekam ein Kind und verletzte damit nach Auffassung ihrer Eltern die Familienehre, was in der Zwangsehe mündete.

Nur anonym kann sie von der Zwangsehe berichten

Noch heute, Jahre nach der Scheidung der erzwungenen Ehe, muss sie anonym leben, weil sie vor ihrer Familie nicht sicher ist. Die Angst ist mit dem älter werden der Kinder kleiner geworden, doch ganz gewichen ist sie nie. Die Folgen der Zwangsehe spürt sie noch heute täglich. Während ihrer Zwangsehe galten ihre Rechte nichts. Geschlagen, vor dem Kind vergewaltigt und immer wieder mit ihm erpresst, gab sie dennoch nicht auf. Sie wartete auf die Gelegenheit zur Flucht und ergriff sie ohne Zögern, doch die von ihr betriebene Scheidung führte der Mann in der Türkei zu ihrem Nachteil aus: Er verweigerte die Anerkennung des aus der Verbindung stammenden Kindes. Deshalb muss diese mutige Frau noch heute um das Bleiberecht für sich und ihre Kinder in Deutschland kämpfen.  
Vier 16- bis 18-jährige Schülerinnen und Auszubildende bereiteten sich intensiv auf das Interview vor. Das Schicksal dieser Frau hat sie tief berührt und die Erkenntnis, wie aktuell das Thema tatsächlich ist, betroffen gemacht.

Linktipps der Projektgruppe:http://www.terredesfemmes.de/

  • www.terredesfemmes.de: TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation für Frauen und Mädchen, die durch internationale Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit, Aktionen, Einzelfallhilfe und Förderung von einzelnen Projekten Frauen und Mädchen unterstützt. TERRE DES FEMMES setzt sich dafür ein, dass Frauen und Mädchen ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben führen können und unveränderliche Rechte genießen.
  • www.polizeifürdich.de: Praktische Informationen der Polizei zu Zwangsheirat und Zwangsehen für Betroffene und Beteiligte.