Menschenhandel und Sklavenhaltung sind kein Relikt aus vergangenen Zeiten oder von exotischen Orten. Deutschland ist mitten drin im Geschäft, denn viele Prostituierte sind Opfer von Menschenhandel. Und die Nachfrage ist groß.  

Wer denkt, Sklavenhandel sei ein Thema von gestern, der irrt. Heute sind sie billig. Viel billiger als ihre Vorfahren im Elend je waren, die auf die Baumwollplantagen des amerikanischen Südens gebracht wurden. Damals war ein Sklave teuer und brachte seinem Besitzer kurzfristig wenig ein. Weil es stets zu wenig Sklaven gab und die Transportkosten im 16. und 17. Jahrhundert extrem hoch waren, galten sie als Investition, die einigermaßen pfleglich behandelt werden musste. Es wäre viel zu teuer geworden, sie zu schnell wegen Krankheit, Unterernährung oder Tod zu verlieren.

Heute ist das umgekehrt. Das Reservoir an armen und sozial schwachen Menschen ist weltweit so gewaltig, das „potenzielle“ Angebot so groß, dass die heutigen Sklaven immer billiger werden. Selbst einfachste Gesundheitsversorgung ist nicht so wichtig, da sie einfach zu „ersetzen“ sind.

Frauen und Kinder sind besonders betroffen

Der Begriff der modernen Sklaverei ist ein Überbegriff für: Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Zwangsprostitution, Zwangsheirat und Menschenhandel. All diese Praktiken sind gesetzlich verboten und finden meist im Verborgenen statt. Das erschwert eine zuverlässigen Schätzung über das wirkliche Ausmaß.

Die Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geht in einem Bericht von 2017 aus, dass derzeit mehr als 40 Millionen Menschen als Sklaven leben. Davon befinden sich rund 25 Millionen Menschen in Zwangsarbeit, rund 15 Millionen Menschen, ganz überwiegend Frauen, leben in Zwangsehen. Im Bereich der kommerziellen Sex-Industrie sind zu 99 Prozent Frauen und Mädchen von Zwangsarbeit betroffen, in anderen Bereichen geht die ILO von fast 60 Prozent aus. Eines von vier Opfern der modernen Sklaverei ist ein Kind.

Sklavenhandel und Menschenschmuggel

Der moderne Sklavenhandel sollte nicht verwechselt werden mit Menschenschmuggel, bei dem die Betroffenen mehr oder weniger freiwillig die Dienste entsprechender Organisationen in Anspruch nehmen, um über Grenzen und Meere in fremde, vermeintlich reiche Länder gebracht zu werden. Aber auch hier gibt es einen Zusammenhang. Der moderne Sklavenhändler nutzt Täuschung, Zwang, finanzielle Abhängigkeiten, Gewalt und Unwissenheit, um seine Opfer über Grenzen hinweg in verschiedene Formen der Zwangsarbeit zu verkaufen. Sie landen an Bestimmungsorten, von denen sie vorher nichts wussten und gegen die sie sich nicht wehren können: Die Hausgehilfin ist hier noch der harmlosere Job. Oft enden Mädchen und junge Frauen als Zwangsprostituierte und männliche Jugendliche als Kindersoldaten, beraubt aller Rechte und Freiheiten. Sie werden als Kameljockeys, als gemeine Feldarbeiter, in Bergwerken und auf Baustellen eingesetzt. Sklavenhandel bedeutet hier auch, dass die Opfer vor allem deshalb hilflos sind, weil ihnen Gewalt angetan wird und bei der Familie zu Hause mit Gewalt gedroht wird bei Ungehorsam.

Bekämpfung der modernen Sklaverei

Deshalb weiß jeder, dass Sklavenhandel weder durch moralische Appelle noch von selbst verschwinden wird, dazu ist er viel zu profitabel. Soll Sklavenhandel wirklich beendet oder wenigstens wirkungsvoll eingedämmt werden, müssen Regierungen weltweit Gesetzeslücken schließen und deren Einhaltung strikt kontrollieren. Hierzu gehört auch die Ächtung von Waren und Dienstleistungen, die direkt oder mittelbar durch Sklavenarbeit entstehen und in den sogenannten entwickelten Ländern nachgefragt werden. Wichtig ist hier, dass sich vor allem international tätige Unternehmen zu sozialen Standards bekennen und Arbeitsrechte und soziale Rechte gestärkt werden.